Wald-Dialoge

Sie befinden sich in der Campus-Kategorie Wald-Dialoge. Hier erwarten Sie vielseitige Angebote zum Austausch und Netzwerken zu Themen aus den Bereichen Wald- und Naturschutz. Es besteht die Möglichkeit, an Dialogveranstaltungen teilzunehmen, unsere waldpädagogischen Netzwerke zu bereichern und andere Formate mitzugestalten.

Bitte beachten Sie unsere Teilnahmebedingungen und Datenschutzhinweise.

Fachgespräch Waldwirtschaft

Im"Fachgespräch Waldwirtschaft" stellen wir in einem neuen Format Inhalte zur Diskussion. Wir rücken Themen in den Fokus der Öffentlichkeit, von denen wir glauben, dass es notwendig ist.

Wir sind Plattform und Ideengeber und laden hierzu wichtige Vertreter zu einem Meinungsaustausch ein. Also keine Tagung, Workshop, Rede usw. bei denen man Referenten lauschen darf, sondern wir erarbeiten gemeinsam das Thema. Jeder muss mitarbeiten. Bei den Gästen setzen wir auf wichtige Multiplikatoren der forstlichen und nichtforstlichen Öffentlichkeit. 

Die Themen werden immer neu, aktuell und für die Mitglieder der SDW von Bedeutung sein. Zielgruppe ist die nicht forstliche Öffentlichkeit.

Wald und Outdoorsport

Interview mit Prof. Dr. Manuel Sand, Professur für Outdoorsports und Adventuremanagement, Akademischer Leiter Campus Treuchtlingen, Hochschule für angewandtes Management GmbH (Foto: Sand)

Das Debarking Head

Entrindungswalzen revolutionieren die Arbeit mit dem Harvester. Der größte Vorteil: Dem Borkenkäfer wird der Brutraum entzogen, die Rinde und die darin enthaltenen Nährstoffe bleiben im Wald.

Interview mit Joachim Bernd Heppelmann, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Wald und Forstwirtschaft

Die Robinie - Baum des Jahres 2020 mit Chancen und Risiken

Interview mit Prof. Dr. Anton Fischer, Fachgebiet Geobotanik an der TU München und Olaf Schmidt, Leiter der Landesanstalt für Wald- und Fortswirtschaft in Bayern

Jagd in Zeiten des Klimawandels

Jäger tragen durch die Regulierung der Wildbestände ganz wesentlich zu einer naturnahen Waldentwicklung bei. Angepasste Schalenwildbestände ermöglichen es dem Wald aus eigener Kraft zu wachsen.

Wald und Outdoorsport

Endlich im Wald zelten dürfen!

Das Trekkingerlebnis im Steigerwalds bringt die Wanderer wieder näher an die Natur. Man wandert nicht nur durch sie hindurch, man darf auch auf ausgewiesenen Plätzen die Nacht am Feuer und im Zelt verbringen. Warum dieses Erlebnis genau jetzt den Zahn der Zeit trifft, und was das Besondere daran ist, erläutert uns Prof. Dr. Sand, Deutschlands erster und einziger Professor für Outdoorsport und Adventuremanagement und Leiter des Instituts für Outdoor und Adventure an der Hochschule für angewandtes Management.

Können Sie uns erläutern, warum sich Outdoorsportarten immer größerer Beliebtheit erfreuen und warum mehr Leute wieder draußen Zeit verbringen wollen?

Die meisten Menschen haben nicht mehr so viel Zeit für Sport, wollen zeitlich flexibel sein, sich zunehmend selbst organisieren und einen Ausgleich zu ihrem Alltag finden, der überwiegend Indoor stattfindet. Durch die Entstehung von Trendsportarten, wie z. B. Mountainbiken oder StandUp-Paddling, und dem Boom in der Outdoor-Sportartikelindustrie ist es wieder cool in der Natur aktiv zu sein. Der Trend geht dabei zu Aktivitäten, die nicht extrem und von jedem leicht zu erlernen sind. Aus England kommt der Trend der Microadventures, kurzer Abenteuer, die überall und für jedermann vor der Haustür ohne große Hemmschwellen möglich sind. Außerdem haben Outdooraktivitäten auch positive Aspekte auf die Gesundheit. Deshalb haben wir mit dem spezialisierten Studiengang Outdoorsport und Adventuremanagement darauf reagiert.

Wie beeinflusst denn ein aktiver Aufenthalt in der Natur die Gesundheit?

Aktuelle Studien belegen, dass uns ein Aufenthalt in der Natur schneller und tiefer entspannen lässt, die Kreativität fördert und die Vitamin D-Aufnahme erhöht. Wird dabei eine körperliche Aktivität, wie Wandern oder Mountainbiken, ausgeführt, verstärken sich diese Effekte. Vor allem, wenn man in der Tätigkeit vollends aufgeht und dadurch ein entspannender Bewusstseinszustand, ein sogenannter Flow, eintritt. Darüber hinaus treten Outdoor immer wieder herausfordernde Situationen auf. Durch das erfolgreiche Meistern werden das Selbstbewusstsein und die Persönlichkeit gestärkt. Hinzu kommen natürlich noch die allgemeinen positiven Effekte von Sport und körperlicher Aktivität.

Was ist das Besondere am Trekkingerlebnis Steigerwald und wie bewerten Sie das Angebot, das dort entstanden ist?

Da es in Deutschland aktuell nicht gestattet ist im Wald wild zu Zelten, bietet das Konzept für alle Natur- und Abenteuerbegeisterten eine einmalige Gelegenheit, die Natur zu erleben und tolle Erfahrungen zu machen. So können Familien, junge Erwachsene, aber auch Ältere einige Tage auf sich allein gestellt in der Natur unterwegs sein und gemeinsam einmalige Erfahrungen sammeln. Das Beste daran ist, dass der Steigerwald von überall schnell zu erreichen und somit perfekt für Microadventures vor der Haustür ist. Ich durfte das Konzept bereits vorab mit Studierenden testen. Wir waren begeistert vom Konzept, den ausgewählten Plätzen im Wald, der einzigartigen Natur und den spannenden Teamaufgaben, die für ein tolles Gruppenerlebnis vor Ort sorgen. Alles ist mit viel Wissen und Liebe zum Detail entwickelt worden und perfekt auf die Zielgruppe abgestimmt. Dabei wird auch ein großer Wert auf Umweltbildung und Naturschutz gelegt, was ich persönlich auch enorm wichtig finde. Denn solche Aktivitäten leben von der Natur und der Abgeschiedenheit und beides gilt es zu bewahren. Ich kann es wirklich jedem nur empfehlen, mal ein paar Tage dort unterwegs zu sein.

 

Das Debarking Head

Was macht der Debarking Head? - Interview mit Joachim Heppelmann

Der „Debarking Head“, wörtlich übersetzt der Entrindende Kopf, verzückt die Forstwelt.

Im Fachjargon nennt man diesen Kopf Aggregat und er befindet sich an der Spitze des Harvesterarms. Ein gewöhnliches Aggregat konnte bisher den Baum fällen und in die gewünschten Längen schneiden. Modifiziert man das Aggregat mit Entrindungswalzen, den debarking heads, ist es jetzt auch möglich die Bäume im Wald zu entrinden. Vorteil: Dem Borkenkäfer wird schnellstmöglich der Brutraum entzogen und wichtige Nährstoffe, die sich in der Rinde befinden, bleiben dem Ökosystem Wald erhalten, werden zersetzt und von jungen Bäumen wieder aufgenommen.

Herr Heppelmann, was wollen Sie herausfinden?

Wir forschen an technischen Lösungsansätzen, die Rinde von Bäumen bei voll mechanisierter Holzernte im Bestand zu belassen, und bewerten diese ökonomisch wie ökologisch.

In Eukalyptusplantagen in Südamerika und Afrika kommen Harvester mit speziell für die Entrindung von Eukalyptus entwickelten Fällköpfen seit fast zwei Jahrzehnten erfolgreich zum Einsatz. In unserem Projekt wird diese Methode unter mitteleuropäischen Bedingungen getestet. Dazu werden konventionelle Fällköpfe umgerüstet und modifiziert. In Feldversuchen testen wir in Niedersachsen und Bayern die Prototypen unter verschiedenen Voraussetzungen, wie z. B. an unterschiedlichen Baumarten, Standorten, Bodentypen und zu den wechselnden Jahreszeiten.

Die Ergebnisse des ersten Projektes (Debarking Head I) zeigen, dass in der „Saftzeit“ schon mit geringen technischen Modifikationen von Fällköpfen bei Fichte und Kiefer ein Entrindungsprozent von ca. 90 % erreichbar ist. Außerhalb der Saftzeit konnten etwa 50 % erreicht werden. Über die gesamte Erntekette betrachtet, steht dem eine rund 10 % geringere Produktivität gegenüber. Außerdem können sich besonders auf nährstoffärmeren Standorten geringere Entzüge der nährstoffreichen Rinde positiv auswirken. Zudem hat die Entrindung durch den Harvester bei der Fichte das Potenzial, die Waldschutzsituation (Borkenkäfer) und den daraus resultierenden Druck in der Holzlogistik und Vermarktung zu entspannen. 

Aufbauend auf den Ergebnissen aus Debarking Head I werden derzeit in einem angeschlossenen Projekt (Debarking Head II) der Einfluss der Entrindung auf die Transport-, Lager- und Verarbeitungsprozesse untersucht. Es sollen ökologische und ökonomische Vor- sowie Nachteile und die damit verbundenen Chancen und Risiken betrachtet und bewertet werden. Zusätzlich finden Untersuchungen zur Aufarbeitung von Käferholz in der finalen ökonomischen und ökologischen Bewertung Berücksichtigung.

Haben Sie die Lösung für das Borkenkäferproblem in Europa gefunden?

Natürlich kann der Borkenkäfer, wie mit jeder herkömmlichen Behandlungsmethode, mit unserem getesteten Verfahren nicht allumfassend unschädlich gemacht werden. Dennoch können wir mit unseren Debarking Heads ein äußerst vielversprechendes Verfahren zur Palette der Gegenmaßnahmen hinzufügen. Durch das Entrinden wird dem Borkenkäfer, ohne den Einsatz von Chemie, der Lebens- und Brutraum genommen, wodurch wir effektiv in den reproduktiven Prozess des Borkenkäfers eingreifen können. Inwieweit sich das Verfahren allerdings auch auf die ausgewachsenen Käfer auswirkt, wird derzeit noch weitergehend untersucht.

Wie sieht also der optimale Einsatzbereich der Debarking Heads aus? Wie läuft dieser Einsatz im Wald ab?

Derzeit empfehlen wir den Einsatz der Debarking Heads vor allem für die Aufarbeitung von Käferflächen sowie Sturmwurfflächen. Gerade bei der Bekämpfung des Borkenkäfers ist es wichtig, frühzeitig im Jahr mit der Entrindung zu beginnen, um idealerweise sofort in die erste Brutperiode des Borkenkäfers einzugreifen. Auch sollte der Bestand bereits nicht zu stark verjüngt sein, um Schäden an der Verjüngung zu minimieren und dem Fahrer eine gute Sicht zu garantieren. Auf nährstoffschwachen Gebieten kann ein Einsatz ebenfalls empfohlen werden, um die Nährstoffnachhaltigkeit auf diesen besonderen Standorten zu fördern.

 

Die Robinie - Baum des Jahres 2020 mit Chancen und Risiken

Die Robinie, Baum des Jahres 2020, und ihre Chancen und Risiken im Klimawandel - Interview mit Prof. Dr. Anton Fischer

Die Robinie wird der Baum des Jahres 2020. Die Robinie, auch Scheinakazie genannt,  ist eine nicht heimische Baumart - häufig wird auch der Begriff „fremdländische Baumart“ benutzt - , die ursprünglich aus Nordamerika stammt. Bei uns wurde sie bereits im 17. Jhd. angepflanzt.

Die trockenen Sommer der letzten zwei Jahre bescherten unseren Wäldern große Schäden. Einige heimische Baumarten kommen damit nicht zurecht und sterben ab. Um Wälder zu erhalten müssen Baumarten gepflanzt werden, die mit den Klimaveränderungen zurechtkommen. Fremdländische Baumarten, die bereits heute an unser zukünftiges Klima angepasst sind, scheinen eine gute Lösung zu sein. Doch wo nutzen sie uns und in welcher Hinsicht können sie unserem Ökosystem schaden?

Was ist eine „fremdländische Baumart“ und wieso nennt man diese so?

Eine „fremdländische Baumart“ ist eine Baumart, die in einer bestimmten Gegend, z.B. in Deutschland, von Natur aus nicht vorkommt. Wo sie in anderen Gegenden, z.B. auf einem anderen Kontinent vorkommt können ähnliche Umweltbedingungen herrschen wie bei uns für die Zukunft erwartet. An diese Bedingungen haben sich dort Arten angepasst. Aufgrund der räumlichen Trennung durch Meere oder Berge konnten sie bisher nicht zu uns kommen. Die Idee ist also: die holen wir zu uns und nutzen sie hier.

Warum werden fremdländische Baumarten zurzeit so intensiv diskutiert?

Die heutigen Klimaänderungen haben einen großen, ja entscheidenden Einfluss auf den Standort, also die Summe der an einer bestimmten Stelle herrschenden Umweltbedingungen. In Mitteleuropa haben wir (als Folge der Eiszeiten) eine begrenzte Anzahl von heimischen Baumarten, die sich rasch an das sich ändernde Klima anpassen müssten, was sie als langlebige Organismen binnen weniger Jahrzehnte aber nicht können. Dass besonders die aktuellen Temperaturanstiege eine große Bedeutung für die Natur und unsere Waldbäume haben, sehen wir in Mitteleuropa in erschreckendem Ausmaß. So gibt es in Tschechien quasi keine geregelte Forstwirtschaft mehr. Die Förster dort können nur noch die vom Borkenkäfer befallenen Bäume aus dem Wald nehmen, so schnell als möglich. Die Situation in Bayern und anderen Teilen Deutschlands, z.B. in der Eifel geht in diese Richtung. Da kann man auf die Idee kommen: ergänzen wir doch unser begrenzte Baumartenpalette durch angepasste Arten aus anderen Teilen der Erde. Deshalb werden fremdländische Baumarten aktuell in Forstkreisen stark diskutiert.

Birgt die Pflanzung von fremdländischen Baumarten Risiken?

Jede Art, egal ob Pflanzen- oder Tierart, ist in einer bestimmten Region der Erde entstanden. Um dort zu überleben musste sie sich an die dort herrschenden Boden- und Klimabedingungen anpassen. Auch eine Anpassung „Feinde“ wie Bakterien, Viren, Pilze und Insekten gehört dazu. Bringt man eine Art in eine andere Gegend, ist sie den dortigen Bedingungen, vor allem solchen „Feinden“ erst einmal schutzlos ausgeliefert, bis sie lernt, sich zu schützen.Risiken für die heimische Tier- und Pflanzenwelt entstehen immer dann, wenn eine eingebrachte Art den fast gleichen Lebensraum wie eine heimische Art einnimmt und gleichzeitig konkurrenzstärker ist; dann kann die heimische Art ggf. verdrängt werden. Für die Robinie sehe ich das derzeit nicht.

Die Robinie kommt nun schon mehrere Jahrzehnte in Deutschland vor und kommt anscheinend gut mit unseren Bedingungen zurecht. Sie birgt  auch keine bisher offensichtlich gewordenen Risiken für die heimische Tier- und Pflanzenwelt, da sie keine heimischen Arten aus ihrem Lebensraum verdrängt.

Benötigt die deutsche Forstwirtschaft "Fremdländer" oder reichen uns die eigenen Baumarten?

Das ist ja die zentrale Frage in der Diskussion. Fremdländische Baumarten mögen eine Option sein; bevor wir diese Karte aber ausspielen, sollten wir andere Optionen bedenken und nutzen! Da sind zum einen andere heimische Baumarten, bisher kaum beachtet, die an eher trocken-warmen Standorten auftreten, mit den erwarteten zukünftigen Klimabedingungen deshalb voraussichtlich besser zurechtkommen werden (z.B. Speierling oder Flaum-Eiche). Es ist zu prüfen, ob Saatgut der Art aus Süddeutschland zukünftig z.B. in Norddeutschland eingesetzt werden könnte. Saatgut der „heimischen“ Baumart, auch wenn es aus Südfrankreich, Spanien, Italien oder Rumänen kommt, kann ggf. eine Baumgeneration erbringen, die den zukünftigen Klimabedingungen besser angepasst ist. Der nächste Schritt wäre, die „Schwesternarten“ unserer (derzeit) heimischen Baumarten zu prüfen, z.B. die Orient-Buche für die Rot-Buche oder die Griechische Tanne für die Weiß-Tanne. Die Einsatzmöglichkeiten solcher Baumarten müssen in der Forst- und Holzwirtschaft dringend abgeklärt werden.

Erst wenn das alles nichts (mehr) hilft, weil die Temperatur vielleicht bereits weiter angestiegen ist, kämen aus meiner Sicht „fremdländische Baumarten“ zum Zuge, am ehesten solche aus dem submediterranen Raum wie Esskastanie oder Walnuss.

Dennoch: Wissen generieren, das muss sofort starten! Herauszufinden, welche Herkünfte von welchen Arten zukünftig nützlich sein könnten erhalten wir nicht über Nacht. Ein Baum ist langlebig, und Probleme werden ggf. erst nach Jahrzehnten sichtbar. Diese Forschung zu verstärken (sie läuft ja durchaus teilweise bereits) ist wichtig, aber nicht mit dem Ziel, „fremdländische Baumarten“ möglichst bereits morgen im Regelbetrieb anzubauen.

Können fremdländische Baumarten bei uns heimisch werden, sich also in unser Ökosystem eingliedern?

Ökosysteme sind nichts Statisches. Sie reflektieren stets die Umwelt sowie die vor Ort vorhandenen Lebewesen. Beides ändert sich im Laufe der Zeit. Somit ändern sich auch Ökosysteme. Die Frage ist, ob diese Änderungen so stark sind, dass sie uns auffallen und von uns ggf. als unerwünscht oder gar als schädlich (für wen?) angesehen werden.

Buche, Eiche, Tanne, Fichte, Kiefer – alle unsere Baumarten haben einen „Migrationshintergrund“. Denn während der Eiszeit, vor ein paar tausend Jahren, war Deutschland (weitgehend) wald- und damit baumfrei. Ökosysteme werden sich immer ändern, wenn wir andere Arten einbringen. Bei der Robinie kann man sich vorstellen, dass sie auch ohne Zutun des Menschen in unserer Landschaft überleben würde – in diesem Sinne also Mitglied eines (dann teilweise neuen) Ökosystems wird. Gerade bei ihr ist aber ein Langzeiteffekt zu berücksichtigen. Die Robinie ist in der Lage Stickstoff aus der Luft aufzunehmen und umzuwandeln, so dass Pflanzen ihn nutzen können (landwirtschaftlich nennt man das Gründüngungen und macht es mit Klee, wie die Robinie ein Schmetterlingsblütler). Damit verändert die Robinie den Boden aber grundsätzlich und langfristig. Wenn man das will ist es ja schön, wenn man darin Probleme sieht sollte man das in die Bewertung einbeziehen.

Sollten wir den Anbau von Robinie in den bayerischen Wäldern forcieren?

Ich bin nicht sicher, ob das wirklich eine gute Idee wäre. Die Robinie hat nämlich eine biologische Eigenschaft, die ihr zwar an Extremstandorten hilft zu überleben, die aber für den Wirtschafter sehr hinderlich sein kann: sie macht Wurzelbrut, d.h. sie kann an den Wurzeln(!) neue Sprosse bilden. Das tut sie besonders dann, wenn der Stamm geschädigt (z.B. abgeschlagen) wird. Wo die Robinie also einmal ist bringt man sie kaum noch weg, es sei denn mit härtester Chemie.

Kann die „naturnahe Waldwirtschaft“ in Zukunft nur mit fremdländischen Baumarten gelingen?

Die Frage ist natürlich, was „naturnahe“ Waldwirtschaft in Zeiten anthropogen geänderten Klimas bedeutet. Sicher kann es nicht bedeuten, einen Waldzustand aufrecht erhalten zu wollen, der mit den neuen Klima- (also Umwelt-)bedingungen nicht mehr korreliert. „Naturnah“ kann dann nur bedeuten: die im neuen(!) Zustand ablaufenden ökosystemaren Prozesse so weit als möglich in die forstlichen Abläufe zu integrieren, z.B. spontane Verjüngung zu nutzen. In den nächsten Jahrzehnten werden wir sicher noch auf die „heimischen“ Baumarten im eben genannten Sinne zurückgreifen können. Wenn es aber erst einmal drei Grad wärmer ist als heute – dann wird unsere Welt ohnehin völlig anders aussehen.

Gestatten Sie mir zum Schluss noch eine Anmerkung: Die Diskussion der Einfuhr und Nutzung fremdländische Baumarten ist keineswegs neu! Schon Hans-Carl von Carlowitz widmet diesem Thema (natürlich nicht unter Klimawandel-Gesichtspunkten) in seinem berühmten Buch Sylvicultura oeconomica von 1713 ein ganzes Kapitel (Kap. 17) und stellt es unter die Frage: „Ob es eine unnöthige und fürwitzige Sache sey frembde Bäume in andern Ländern fortzupflantzen“.

Jagd in Zeiten des Klimawandels

Unsere Wälder sind unverzichtbar für das Klima, den Erosions- und Wasserschutz, die Erholung und als Lieferant des ökologischen Rohstoffes Holz. Zudem sind Wälder von unverzichtbarer Bedeutung für die biologische Vielfalt, den Schutz verschiedenster Arten von Tieren und Pflanzen.

Die aktuellen ökologischen und wirtschaftlichen Waldschäden, verursacht durch Hitze und Trockenheit sind gravierend. Der Auf- und Umbau der Wälder hin zu einer vielfältigeren und dem Klimawandel besser angepassten Artenzusammensetzung, stellt alle Waldbesitzer vor große Herausforderungen die es, als Chance zu nutzen gilt.

Jäger tragen durch die Regulierung der Wildbestände ganz wesentlich zu einer naturnahen Waldentwicklung bei. Angepasste Schalenwildbestände ermöglichen es dem Wald aus eigener Kraft zu wachsen. Viele verschiedene Baumarten, entstanden aus den Samen der Mutterbäume wachsen in inniger Mischung und bilden so den Wald unserer Zukunft. Jägerinnen und Jäger ermöglichen durch ihren persönlichen Einsatz, die Erreichung der mit den Grundeigentümern und den Jagdbehörden vereinbarten Ziele.
Die jagdlichen Diskussionen sind geprägt durch viele verschiedene Sichtweisen und meist einseitigen Forderungen an andere Parteien, die zudem die alleinige Verantwortung zur Lösung des Wald-Wild Dialoges anderen zuweist. Die Zusammenhänge von Wald und Wild sind jedoch deutlich komplexer und erfordern eine Betrachtung vieler verschiedener Einflussgrößen und deren Auswirkungen.
Vor diesem Hintergrund möchten wir Ihnen die aktuelle Diskussion in einem Fachgespräch Waldwirtschaft mit dem Schwerpunkt: Jagd in Zeiten des Klimawandels darstellen und mit Ihnen diskutieren.

Referenten:
Prof. Manfred Schölch, Professor für Waldbau und Waldwachstum an der Hochschule Weihenstephan Triesdorf

Dr. Klaus Pukall, Dipl. Forstwirtm Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Wald- und Umweltpolitik der TU München

Dr. Andreas König, Dipl. Forstwirt, Leiter der Arbeitsgruppe Wildtierökologie und Wildtiermanagement an der TU-München

Nikolaus Urban, Vorsitzender der „Bauernjäger“, einer Interessengemeinschaft von Jägern und Waldbesitzern, die praxisorientiert jagen

Andreas Thiermeyer,  Berufsjäger am BaySf Forstrevier Oberammergau

Hier finden Sie alle unsere Videos zu diesem Thema auf unserem Youtube-Kanal

Tagung "Wald-Klima-Bildung"

Das Format richtet sich an Vertreter:innen von Bildungseinrichtungen, Politik und Forschung sowie Multiplikator:innen, die sich für Wald und Klima einsetzen. Mit dem Programm möchten wir über die Themen Wald, Klima und Bildung informieren sowie wald- und klimabezogene Bildung in den einzelnen Bundesländern stärken.

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