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Baum des Jahres 2016 - Die Winterlinde

Die Winterlinde

Tilia cordata     weiter

 

Merkblatt als pdf

 

SDW-Literatursammlung "Winterlinde" (kann angefordert werden 130 S.)

 

Tagung zur Winterlinde am 30. Juni 2016 in Berchtesgaden

 

Interessantes

Besondere Linden

Königliche Anordnung v. 1832

Bücher zu Linden

 

 

Merkblatt: Die Linden

Tilia platyphyllos / Tilia cordata

Der Name Linde kommt vom nordgermanischen „Iinda“ (= Binde), was auf die frühere Verwendung des Lindenbastes zu Bindearbeiten hindeutet. Linden werden bis zu 1.000 Jahre alt; sie hatten in früherer Zeit eine sehr hohe Bedeutung z.B. als Gerichts- oder Tanzlinde.

 

Die beiden bei uns heimischen Arten sind die Winterlinde (Tilia cordata) und die Sommerlinde (Tilia platyphyllos). Die Linde war schon vor den Eiszeiten in Europa heimisch und in der Eichenmischwald-Zeit (etwa 5.500 bis 2.500 v. Chr.) weit verbreitet. Damals herrschten Laubmischwälder aus Eiche, Linde, Ulme und Esche vor. Bedingt durch den Wechsel zu einem kühleren und feuchteren Klima verdrängte die später einwandernde Buche nach und nach die bisher vorherrschenden Laubbaumarten. Seit der Buchenzeit sind unsere Wälder klima- und konkurrenzbedingt lindenärmer. Die Linde ist örtlich sogar vollständig aus dem Wald verschwunden.
 


Vorkommen
Die Verbreitungsgebiete der Linden sind unterschiedlich. Die Winterlinde steigt im Allgemeinen in den Gebirgen nicht so hoch wie die Sommerlinde. Die Winterlinde gilt in vielen Waldgesellschaften als die typische Mischbaumart und gewinnt überall dort an Raum, wo die Buche in ihrer Konkurrenzkraft geschwächt ist. Bei uns finden wir sie in trockenen Eichen-Hainbuchen- Wäldern wie auch in der Hartholzaue, die Sommerlinde bevorzugt dagegen feuchte Klimalagen. Gemeinsam treten Sommer- und Winterlinde in eichenreichen Mischwäldern des Mittelgebirges auf. Größere Winterlinden-Vorkommen finden sich in Deutschland zum Beispiel im Kottenforst bei Bonn, im Hessischen Bergland, in der Uckermark, der Kolbitzer und Saganer Heide. Der Pfälzerwald ist bekannt für seine Sommerlinden-Vorkommen.


Standort
Die ökologischen Ansprüche der beiden Lindenarten sind entsprechend ihrer natürlichen Vorkommen unterschiedlich. Hinsichtlich der Lichtansprüche gelten beide Linden als Halbschatten-Baumarten. Dabei kommt die Winterlinde mit weitaus weniger Licht aus als die Sommerlinde. Hinsichtlich der Klimaansprüche gibt sich die Winterlinde bescheidener und benötigt weniger Wärme. Lockerer, frischer, tiefgründiger Boden, nährstoffreicher, kalkhaltiger Lehm- oder Sandboden sagt ihr besonders zu. Die etwas anspruchsvollere Sommerlinde findet man in krautreichen Bergwäldern. In Schluchtwäldern auf lockeren, mineralkräftigen, leicht humosen Steinschuttböden, in Ahorn-Eschen-Wäldern und im Ahorn- Linden-Wald ist sie stets vertreten. Ihre Hauptverbreitung sind deshalb die west- und mitteleuropäischen Berglandbereiche. Die beiden heimischen Lindenarten können aufgrund ihrer Ansprüche gut mit dem Klimawandel leben und sie werden verstärkt im Wald gepflanzt. Trotzdem sucht man gerade in Städten wegen der dortigen besonderen Verhältnisse nach alternativen Baumarten. Gute Chancen hat hier die in Südosteuropa heimische Silberlinde (Tilia tomentosa), die deutlich dürreresistenter und unempfindlich gegenüber Abgasen ist als unsere Linden. Außerdem blüht sie noch später als die Winterlinde und ergänzt die Honigtracht in blütenarmen Zeiten sinnvoll.


Ökologie
Vom Wachstum der Linde wird gesagt, dass sie „300 Jahre kommt, 300 Jahre steht und 300 Jahre vergeht“. Das maximale Alter wird bei beiden Lindenarten mit etwa 1.000 Jahren angegeben; selten werden wohl über 800 Jahre erreicht. Beide Lindenarten erreichen im Wald eine durchschnittliche Höhe von 25 bis 35 m. Im Freistand sind, wie bei allen Bäumen, die Höhen geringer, dafür die Kronen breiter, bei den Linden bis zu 20 m. Die Linde besitzt, wenn der Stamm gefällt wurde, ein so genanntes natürliches Stockausschlagvermögen. Bei Freistellungen können außerdem aus dem Stamm die „schlafenden Augen“ wieder austreiben. Das Wiederausschlagen aus dem Stock begünstigte die Verbreitung der Linde während der Nieder- und Mittelwaldwirtschaft des Mittelalters. Auch die damals wirtschaftlich wichtige Wildbienenhaltung („Zeidlerei“) schätzte die Linde, die mit etwa 20 Jahren erstmals und dann fast jährlich blüht. Lindenhonig gilt noch heute als Delikatesse. Während die Sommerlinde bereits Mitte bis Ende Juni blüht, beginnt die Winterlinde erst Anfang Juli mit ihrer Blüte. Die Bestäubung übernehmen Insekten, in erster Linie die Honigbienen. In der Forstwirtschaft gilt vor allem die Winterlinde als Mischbaumart mit vielen begehrten zusätzlichen Wirkungen auf den Boden. Sommer- wie Winterlinde gehören wegen ihres sich rasch zersetzenden Laubes zu den bodenpfleglichen Baumarten.


Gefährdung
Beide Lindenarten verfügen über ein tiefgehendes Herzwurzelsystem und sind weitgehend sturmfest. Die Winterlinde ist dürreresistenter und weniger spätfrostgefährdet als die Sommerlinde. Beide Arten werden vom Wild verbissen. Sie werden regelmäßig auch von Blattläusen stark heimgesucht und von Honigtaupilzen befallen, die die Blätter schwarz färben und unansehnlich machen. Auf Immissionen reagieren beide Lindenarten sehr empfindlich. Durch eine Pilzkrankheit kommt es derzeit häufiger zum so genannten Lindentriebsterben. Im Frühsommer sieht man oft an Straßenlinden große sackartige Gespinste, die auf die Raupen des Goldafters, eines schneeweißen Nachtfalters mit rostrotem Hinterleib, zurückgehen. Hörnchenartige Auswüchse auf den Lindenblättern sind das Ergebnis von Gallmilben. Alljährlich spielt sich im Frühjahr ein Schauspiel unter Linden ab: auffällige rot-schwarze Feuerwanzen krabbeln, oft zu Hunderten, am Stammfuß herum und saugen an den Lindenfrüchten oder Pflanzensaft.


Holz
Beide Lindenarten zählen zu den Holzarten mit farblich einheitlichem Splint- und Kernholz und unterscheiden sich nahezu nicht voneinander. Lindenholz besitzt eine weißliche bis gelbliche Farbe, die gelegentlich leicht bräunlich oder rötlich sein kann. Vom Gesamtcharakter her ist es ein weniger dekoratives Holz. Das weiche Lindenholz rechnet man zu den leichten bis mittelschweren Hölzern (mittlere Rohdichte = 0,53 g/cm³). Das Holz beider Linden ist wenig trag- und druckfest. Der Witterung ausgesetzt, ist es wenig dauerhaft. Das Lindenholz wird deshalb nur im Innenbereich eingesetzt. Getrocknetes Lindenholz reißt und arbeitet kaum noch, es lässt sich leicht und in allen Schnittrichtungen sauber bearbeiten. Daher gehört seit jeher die Bildhauerei und Schnitzerei zu den Hauptverwendungsbereichen des Lindenholzes. Viele berühmte Meisterwerke deutscher Holzschnitzkunst, z. B. von Tilman Riemenschneider und Veit Stoß, sind aus Lindenholz hergestellt. Wegen der häufigen Verwendung in der Sakralkunst des Hoch- und Spätmittelalters wurde es früher als „Heiligenholz“ bezeichnet. Für flächige Schnitzerarbeiten, z.B. die Herstellung der Frontpartie von Kuckucksuhren, wird ebenfalls gern Lindenholz verwendet. Von Bedeutung ist auch die Maskenschnitzerei, die vor allem in den südlichen Landesteilen von Baden-Württemberg verbreitet ist. Lindenholz eignet sich aufgrund der Feinporigkeit und Homogenität hervorragend zum Einfärben, zu Lackierungen und zum Beizen. Bei Hutmachern sind die Formen aus Lindenholz gefertigt und auch im Modellbau ist es gesucht. In der Spielzeugfabrikation werden Tierfiguren, Kasper- und Puppenköpfe sowie Krippenfiguren aus Lindenholz gefertigt. Seit der Frühzeit des Menschen wird die Linde wegen ihres Bastes geschätzt. Infolge seiner guten Elastizitäts- und Feuchtigkeitseigenschaften wurde der Bast zu Matten, Körben, Säcken, Flechtschuhen, Seilen und als Bindematerial für den Obst- und Gemüsebau verarbeitet.


Kulturgeschichte
Kaum eine zweite Baumart hat in früherer Zeit dem Menschen näher gestanden als die Linde. Bereits die Römer und Griechen haben die Linde in Ehren gehalten und erst seit dem 16. Jahrhundert bekannt und wird noch heute in der Homöopathie bei Erkältungen und bei Grippe verwendet.
Den Germanen war die Linde der Liebesgöttin Freya heilig und besaß Weissagungs- und Heilkraft. Im Volksglauben der germanischen und slawischen Völker nimmt die Linde unter den Bäumen den Ehrenplatz ein. Jedes Dorf besaß als Mittelpunkt eine Linde. Sie war Treffpunkt für Jung und Alt. Der Platz unter der Linde war der Ort für Trauungen, Versammlungen der Dorfjugend. Die Tanzlinde war ein starker Baum, dessen Hauptäste in Jahrzehnten zu waagerechten Astkränzen geformt wurden. Auf diese Astkränze legte man Bretter, brachte Geländer und Leitern an und stützte das Ganze mit Pfosten ab.
Die Linde war der Baum der deutschen Romantik. In Liedern und in zahlreichen Gedichten wird die Verbindung zwischen Liebe und Linde immer wieder deutlich. Ferner diente die Linde als Rechtsbaum. Gerichtslinden standen auf öffentlichen Plätzen und in Burgen. Die auf Hügeln angepflanzten und daher weit sichtbaren Bäume galten als Freiheitsbäume. Die tiefe Verwurzelung der Linde in der Bevölkerung zeigt sich auch in den zahlreichen Sagen und Volksbräuchen. Flur-, Orts- und Personennamen zeigen, dass die Linde schon im frühen Mittelalter sehr verbreitet war. Über 850 deutsche Städte verdanken der Linde ihren Namen.
Für Bienen und Hummeln sind die Lindenblüten wegen der starken Tracht von großer Bedeutung - und wir können den Lindenhonig genießen.

 

 

Broschüre

Der Wald, seine Bäume und Sträucher


Natur(en) des Jahres