Naturschutz im Privatwald

An einem konkreten Projekt will der bayerische SDW-Arbeitskreis Waldnaturschutz dem Bewirtschafter Wege zu einem intergierten und wirtschaftlichen Waldnaturschutz aufzeigen. Anfang Juli trafen sich dazu die Mitglieder der in Bayern aktiven Initiative Waldnaturschutz Integrativ (FAUN-IWI) und der SDW - Arbeitskreis Waldnaturschutz, in einem ca. 120 ha großen privaten Forstbetrieb mit weiteren landwirtschaftlichen Flächen am Starnberger See. Der ganztägige Begang in den betriebstypischen Waldsituationen mit dem örtlichen Personal fand bei erfreulicher gegenseitiger Offenheit für die Anliegen des Naturschutzes, wie für die betrieblichen Zwänge statt.

Wie häufig im bayerischen Oberland sind die Bestände Fichten-dominiert und nach Stürmen und Borkenkäferkalamitäten sehr jung und kaum durchforstet. Die natürliche Baumartenvielfalt geht durch die Wuchskraft der Fichte, die auf den weitverbreitet feuchten und staunassen Böden kaum 80 Jahre alt wird, schnell verloren. Pflegeeingriffe und Durchforstungen (nach der zwingenden Erschließung) mit Blick auf den künftig wertvollsten Stamm, fast unabhängig von der Baumart, tun Not. Die derzeitige Holzmarktsituation hinterlässt bei solchen Arbeiten allerdings nur Kosten und kaum Einnahmen. Dennoch besteht die Hoffnung auf staatliche forstliche Förderung.

Bild v.l.n.r.: Forstbetriebsleiter Ilkahöhe Frank Nölting, Mitglieder der Initiative Waldnaturschutz Integrativ (FAUN-IWI), Ulrich Mergner, Beatrix Enzenbach, Dr. Stephan Gampe, Dr. Pia Meyer-Gampe, Lothar Gössinger (SDW), Betriebsleiterin Hofgut Bernried Gräfin Adelheid zu Castell - Rüdenhausen, Simon Tangerding (SDW) sowie der ortsansässige Förster Herr Klaus Meindl (ehem. Forstverwaltung Diözese München). Der Waldbestand ist ein totholzreicher Trittstein aus eindrucksvollen Altbuchen und Alttannen.

 

Zentraler Punkt der Diskussionen war auch die Jagd und die Frage ob Waldnaturschutz ohne angepasste Wildbestände möglich ist. Die Jagd auf Rehwild, die bei der Wald-Feld-Gemengelage nachhaltig überdurchschnittliche Abschusszahlen ermöglichen würde und dessen Auswirkungen auf Artenvielfalt und Waldnaturschutz.

 

Die wenigen Zentimeter hohe Tannenverjüngung weit und breit, bei vorhanden Alttannen, zeigt das große Potential der Standorte und wie die Wälder sturmfest gemacht werden könnten.

Besonders beeindruckender Punkt des Tages waren die vorhandenen Altbuchen und mehr noch die Alteichen, deren vermoderte Stöcke immer wieder in den Wäldern zu sehen waren. Nicht weit entfernt wurden Eremit und andere seltene Urwaldrelikt-Insekten nachgewiesen.

Wir konnten die örtlichen Bewirtschafter auf zahlreiche neuere Fördermöglichkeiten hinweisen. Auch die Vermarktung von „Ökopunkten“ kann notwendige Einnahmen bringen, die im Wald in Pflegeeingriffe umgesetzt, sogar in solchen schwierigen Holzmarktzeiten zu einer schwarzen Null führen könnten.

Bei einem geplanten Treffen soll dem Eigentümer das „Gutachten“ vorgestellt und bei einem Waldbegang die Chancen eines integrierten Waldnaturschutzes dargestellt werden.

L.Gö. 03.07.2020

 

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