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Baum des Jahres 2013 - Der Wildapfel

 

Der Wildapfel         Malus sylvestris

 

SDW-Tagung

SDW-Tagung findet am 26. Oktober 2013 in Bayreuth statt.
Programm als pdf

 

Literatursammlung zum Wildapfel

Merkblatt als pdf

 

Interessanter Beitrag zum Wildapfel auf Bayern3

Kurzportrait - Wildapfel - Bundesanstalt für Landwirtschaft (BLE)

 

Einleitung

Die Gattung der Äpfel (Malus) gehört zur Familie der Rosengewächse. Sie ist mit etwa 25 echten Arten und zahlreichen Bastarden und Kultursorten in der nördlichen, gemäßigten Zone der Erde beheimatet. Der Wildapfel (Malus sylvestris) ist die einzige Malus-Art, die in Mitteleuropa heimisch ist und ist eine der Stammarten des Kultur- oder Gartenapfels (Malus domestica). Der Wildapfel wird auch Holzapfel, Wilder Apfelbaum und Johannisapfelbaum genannt.

 

Verbreitung

Die eurasiatisch bis submediterrane Art kommt fast überall in Europa und Südwestasien vor, ist jedoch nirgends häufig. Im Norden reicht die Verbreitung bis Großbritannien und Mittelskandinavien. Der Verlauf der Wolga begrenzt die Verbreitung nach Osten. Im Süden erreicht der Wildapfel das Mittelmeer, im südwestlichen Bereich der iberischen Halbinsel kommt er nicht mehr vor. Die vertikale Ausdehnung reicht von der Ebene bis in die montane Stufe. In den Alpen erreicht er Höhen von 1.100 m über NN. Apfelbäume werden schon lange in vielen Gegenden Europas kultiviert. Durch jahrtausendlange Kreuzungen und Auslese sind bis heute über 1.000 verschiedene Apfelsorten entstanden. Von denen sind viele jedoch wieder in Vergessenheit geraten, einige sind vom Aussterben bedroht. Verwilderte Gartenapfelbäume nehmen schon bald wieder Merkmale der Wildarten an. Daher ist es dann kaum möglich, verwilderte Kulturapfelbäume vom Wildapfel zu unterscheiden.
Der Wildapfel ist in Deutschland sehr selten. Dies liegt u.a. daran, dass er kaum eine wirtschaftliche Bedeutung hat und daher nicht gepflegt oder gefördert wurde. Größere Vorkommen gibt es in Deutschland heute nur noch in den Hartholzauen des Oberrheins und an der mittleren Elbe. In der Schweiz kommt der Wildapfel insbesondere in größeren Alpentäler noch in größerem Umfang vor.

 

Aussehen

Der Wildapfel ist eine Licht- und Halbschattenbaumart, der nur recht langsam wächst. Der bis zu zehn Meter hohe Baum oder Strauch besitzt flache Wurzeln, die ausgedehnt und reich verzweigt sind. Der oft gekrümmte, gewundene und spannrückige Stamm besitzt im Alter eine braune oder graubraune rissig Borke, die in dünnen Schuppen abblättert. Der Wildapfel kann bis zu 100 Jahre alt werden und einen Stammdurchmesser von 45 cm erreichen.
Die Bildung von Wasserreisern ist stark ausgeprägt und erstreckt sich bis zum Stammfuß. Die Wasserreiser sind fast immer verdornt.
Die Blätter sind wechselständig angeordnet, eiförmig und am Rand gesägt. Sie sind 4 bis 10 cm lang und 2 bis 5 cm breit. Der Blattstiel ist 1 bis 3,5 cm lang. Die Blattoberseite ist kahl, matt dunkelgrün und etwas runzelig. Die Unterseite ist hellgrün und kahl bzw. nur leicht behaart, im Gegensatz zu den verschiedenen Kultursorten, die Unterseits meist dicht bis filzig behaart sind. Die zwittrigen, fünfzähligen Blüten (April/Mai) sind weiß oder rosa und werden von Insekten bestäubt. Die gesamte Blüte ist nicht breiter als 3,5 cm.
Die kugelförmigen Früchte reifen von September bis Oktober. Sie haben einen Durchmesser von 2 bis 3,5 cm, wobei das Kernhaus mehr als die Hälfte der Fruchtbreite ausmacht. Im frischen Zustand sind die herbsaueren Äpfel kaum genießbar, können aber gedörrt oder gekocht gegessen werden.

 

Standort

Der Wildapfel ist eine Halbschattenbaumart. Er bevorzugt lichte Standorts, kommt aber auch mit leichten Schatten aus. Die wichtigste Voraussetzung für sein Bestehen ist der ausreichende Genuss von Licht. Daher wächst er nicht im Waldinneren unter einem dunklen Kronendach, sondern in lockeren Waldbeständen oder am Waldrand. Apfelbäume sind sehr widerstandsfähig und wachsen auf fast jedem Boden. Den Wildapfel findet man zerstreut in lichten Laubwäldern, in Auwäldern, besonders Hartholz-Auenwälder, in Eichen-Hainbuchenwäldern und Flaumeichenwäldern sowie in Hecken und Feldgehölzen. Er bevorzugt tiefgründige, frische, basen- und nährstoffreiche Lehm- und Steinböden in sonnigen Lagen. Kurzfristige Überschwemmungen werden vom Wildapfel vertragen.

Holz

Der breite Splint ist hellrötlich, der Kern rotbraun. Splint- und Kernholz unterscheiden sich in ihren technologischen Eigenschaften kaum. Das Holz ist schwer, hart, sehr fest und wenig elastisch. Es arbeitet stark und reißt leicht, schwindet stark und ist wenig dauerhaft. Da es nur selten in größeren Mengen anfällt, hat es so gut wie keine wirtschaftliche Bedeutung, wird aber gerne von Drechslern und Tischlern verwendet.

 

Nutzung

Man vermutet die ersten Apfelkulturen im südwestasiatischen Raum, gezüchtet aus Wildapfelarten. Über Jahrhunderte kultivierte man den Apfelbaum zum Nebenerwerb oder Eigenbedarf in Streuobstwiesen; heute ist dies jedoch kaum noch rentabel.
Äpfel sind sehr reich an Vitamin C und sind dadurch sehr gesund.
Wegen seines hohen Pektingehaltes wird er heutzutage bei der Herstellung von Marmelade anderen Früchten zur Eindickung beigemischt. Schon im antiken Griechenland und Rom wurden die Früchte zu Apfelwein verarbeitet.
Der Wildapfel wurde in vorgeschichtlicher Zeit wahrscheinlich als Nahrung genutzt. Später spielten die Früchte nur noch als Wildfutter oder für die Schweinemast eine Rolle. In manchen Regionen waren Wildäpfel (zusammen mit den Wildbirnen) daher im 16. Jahrhundert auch unter Schutz gestellt.
In der heutigen Zeit könnte der Wildapfel wieder an Bedeutung gewinnen, wenn er als Bereicherung des Ökosystems (u.a. als Bienenweide) und Baum für die Artenvielfalt angesehen wird. Auch könnte er im Bereich der Genressourcen eine größere Rolle spielen.

Gefährdungen

Grundsätzlich kann es beim Wildapfel zu den gleichen biotischen und abiotischen Schädigungen kommen wie beim Kultur-Apfel. Es wurde aber festgestellt, dass die Wildform für Krankheiten allgemein weniger anfällig erscheint. Probleme kann er für den Wildapfel durch verschiedene Wildtiere geben. Mäuse fressen an Wurzeln und der Rinde. Feldhasen nagen an der Rinde junger Bäume. Rehwild kann durch Fegen und Verbiss zu großen Schäden führen.

 

Brauchtum

Kaum eine heimische Frucht besitzt eine ähnliche Symbolkraft wie der Apfel, auch wenn hier die Frucht der Kulturform ausschlaggebend ist. In der griechischen Mythologie gilt der Fruchtbarkeitsgott Dionysos als Schöpfer des Apfelbaumes. Er widmete ihn Aphrodite als Sinnbild ihrer Schönheit und Liebe. Für die Kelten symbolisierte er Liebe, Jugendkraft und Fruchtbarkeit. Auch bei den Germanen stand er für die Liebe und die Mutterbrust. Für die Christen ist der Apfel eher negativ besetzt, er ist ein Zeichen für Unkeuschheit, Versuchung und Erbsünde. Der Reichsapfel diente Herrschern als Weltsymbol und Teil der Zeichen ihrer Macht. Der Naturwissenschaftler und Philosoph Sir Isaac Newton soll durch einen herabfallenden Apfel auf das Prinzip der Schwerkraft gekommen sein. Und der Reformator Martin Luther wird gerne mit dem Spruch zitiert: „Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch einen Apfelbäumchen pflanzen“.

 

Steckbrief

 

  • Name: Wildapfel (Malus sylvestris)
     
  • Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
     
  • Alter: Bis 100 Jahre
     
  • Höhe: Bis 10 m
     
  • Durchmesser: Bis 45 cm
     
  • Rinde: Rotbraun bis graubraun; stärker rissig
     
  • Blätter: Breit-elliptisch bis eiförmig; 4 bis 10 cm lang; 2 bis 5 cm breit;
    Grund keilförmig oder breit abgerundet, vorne zugespitzt. Oberseite kahl, matt dunkelgrün, Unterseite hellgrün, kahl oder nur leicht behaart. Blattstiel 2 bis 4 cm, Blattrand fein gesägt oder gekerbt.
     
  • Blüte: Zwittrig (männliche und weibliche Fortpflanzungseinrichtungen in einer Blüte)
     
  • Früchte: Äpfel sind kurzgestielt, kugelig, 2 bis 3,5 cm dick
     
  • Gefährdung: Kreuzung mit Kulturformen, Wildverbiss
     
  • Holz: Splint: hellrötlich; Kern: rotbraun; schwer und hart
     
  • Verwendung: Früchte als Wildnahrung, Holz für Drechslerarbeiten

 

 

Unsere bisher erschienenen Baummerkblätter

 

 

Broschüre

Der Wald, seine Bäume und Sträucher


Einladung

SDW-Tagung zum Wildapfel


Literatur- sammlung


Baum des Jahres 2013

Der Wildapfel