Die Bedeutung des Waldes für die Biologische Vielfalt

Trotz unterschiedlichster Baumartenwahl haben Wälder eine herausragende Bedeutung für die Biologische Vielfalt. Je nach Waldgesellschaft gehen Schätzungen von 7.000 bis 14.000 Tier- und 4.000 bis 6.000 Pflanzenarten einschließlich Moose, Farne und Pilze aus. Mit dieser Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten ist der Wald als Landnutzungsform in Bayern einzigartig. Darüber hinaus sind - anders als etwa in der Landwirtschaft - Aufbau, Nährelementversorgung und Wasserqualität der Waldböden nicht durch Düngung, Pestizideinsatz oder regelmäßig bzw. kurzfristig wiederkehrende Bewirtschaftungseingriffe belastet.

Da auch im aufstockenden Bestand forstwirtschaftliche Eingriffe nur in mehrjährigen Intervallen stattfinden, können sich natürliche Prozesse und Strukturen entwickeln. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Baumartenzusammensetzung an der potentiell natürlichen Vegetation orientiert ist und die Verjüngung des Waldes auf natürlichem Wege erfolgt. Dies ist für die Erhaltung des Genpotentiales von besonderer Bedeutung ist.

Im Offenland sind Wälder, Gehölze, Hecken und Einzelbäume wichtige Verbund- und Vernetzungselemente. Über die Grenzen Deutschlands hinaus haben vor allem Buchenwaldökosysteme zentrale Bedeutung für die Biologischer Vielfalt der mitteleuropäischen Wälder.

 

Defizite im Wald im Hinblick auf die Biologische Vielfalt

Gerade diese typischen Waldlebensgemeinschaften, in deren Mittelpunkt in Bayern die Buche steht, sind durch die oben beschriebenen Entwicklungen aber auch durch eine einseitige ertragsorientierte Waldwirtschaft (Bodenreinertragslehre um 1900) in den Hintergrund getreten.

So finden wir in Bayern nur noch ca. 12% Buche in unseren Wäldern. Aber auch die übrigen Laubbäume (Eiche 26,2 %, Esche, Ahorn, Linde und sonstige Laub-bäume 13,0 %) haben im Vergleich zur Fichte (44,5 %), Kiefer (19,1 %), Tanne (2,1 %) oder Lärche (2,1 %) nur geringe Anteile an der Bestockung. Ausgesprochen selten sind auch Baumarten wie Flatterulme, Eibe, Speierling und Elsbeere, die früher deutlich häufiger vertreten waren. Zudem leidet die Biologische Vielfalt unserer Wälder an einem Mangel an abgestorbenem totem Holz.

Häufig behindern auch überhöhte Wildbestände die natürliche Verjüngung gerade der seltenen Baumarten. Dies betrifft ganz besonders Verbiss empfindliche Baumarten wie Tanne, Eibe, Bergahorn oder Eiche.

Gewässerausbau, Hochwasserfreilegung und landwirtschaftliche Nutzung flussnaher Bereiche haben Auenwälder zu sehr seltenen Waldgesellschaften (0,5 % der Wälder Bayerns) werden lassen. Insbesondere gilt dies für Moore. Hier ist ein Rückgang um 90% zu verzeichnen. Aber auch Waldbestände warm-trockener Standorte, die teilweise durch das Einbringen von Nadelholz (Schwarzkiefer, Strobe, Douglasie) oder Robinie verändert wurden sind selten geworden.

 

Leistungen der Forstwirtschaft für die Biodiversität

Die Entwicklung der Waldwirtschaft zu kennen und die dabei entstandenen Defizite aufzuzeigen ist notwendig, um die Leistungen des ökologischen Waldbaus zu würdigen. So ist es trotz mannigfacher Waldinanspruchnahme gelungen, die Waldflächen in Bayern seit den 80er Jahren um rd. 13.000 ha zu vergrößern. Dennoch geht Waldfläche auch heute noch in den Ballungsräumen verloren und Aufforstungen finden hauptsächlich in strukturschwachen Regionen statt. Auf der gesamten Fläche hat jedoch eine beachtliche Verbesserung der ökologischen Qualität des Lebensraums Wald stattgefunden. Der Laubbaumanteil in den Wäldern Bayerns wächst stetig an, der Anteil der natürlich verjüngten Flächen ebenso. Der Anteil, alter Bestände über 120 – 140 Jahre steigt stetig und ebenso zeigen diese Wälder eine deutlich verbesserte Struktur und somit Artenvielfalt. Die Bedeutung des toten Holzes für das Ökosystem Wald wurde erkannt und der Totholzanteil landesweit angehoben, um nur einige zu nennen. Trotz dieser positiven Beiträge des ökologischen Waldbaus müssen weitere Anstrengungen unternommen werden um naturnahe Waldbewirtschaftung in ganz Bayern zu etablieren.

Nicht zu vergessen ist jedoch, dass Holz unter dem Gesichtspunkt der CO 2-Speicherung unverzichtbar ist. So gibt es Grenzen, z.B. im Bereich der Totholzanreicherung.

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Tagung "Unterricht im Wald"

29. November 2019, Ludwigstr. 2, München, 08.30 Uhr bis 15.15 Uhr

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3. Waldpädagogik Forum BNE in der Waldpädagogik

Donnerstag, 14. November 2019 in Freising-Weihenstephan, 08:30 - 16:30 Uhr